Sollers-Event in Köln: „Digitalization in Insurance – Ökosysteme als Chance“

Köln, 30. September 2019. Auf einer Abendveranstaltung von Sollers Consulting diskutierte man über Versicherung und digitale Plattformen

Versicherer müssen sich konsequent auf Technologie ausrichten, um an der Ökosystem-Ökonomie partizipieren zu können. „Digitale Ökosysteme eröffnen enorme Wachstumschancen für Versicherer“, sagte Michal Trochimczuk, Managing Partner von Sollers Consulting, auf der Abendveranstaltung „Digitalization in Insurance“. Vor etwa 70 Gästen aus der deutschen Versicherungswirtschaft sprachen Vertreter der Zurich, VHV, Basler​ und Ergo über die Bedeutung digitaler Plattformen für Versicherer.

Nach den Erfolgen des chinesischen Versicherers Ping An auf seinem Heimatmarkt beginnen deutsche Versicherer, ihr Geschäft auf digitale Ökosysteme auszurichten. Digitale Ökosysteme haben einen beispiellosen Aufstieg erlebt und es ist davon auszugehen, dass ihre Bedeutung weiter zunehmen wird. Wie Versicherer an diesem Aufstieg partizipieren können, war das beherrschende Thema der Abendveranstaltung „Digitalization in Insurance“ von Sollers Consulting in Köln.

„Auf dem deutschsprachigen Markt beobachten wir erste richtige und wichtige Schritte“, sagte Michal Trochimczuk, Managing Partner von Sollers Consulting. und verwies unter anderem auf die Schweizer Baloise, die Zurich Deutschland und das Insurtech Element. „Was wir hier sehen, ist erst der Anfang.“ Nach Einschätzung von Trochimczuk sind weitere Anstrengungen bei der Modernisierung der IT-Infrastruktur nötig. „Ohne ein starkes Back-End werden die Versuche beim Thema Ökosysteme scheitern.“

Versicherer haben drei Optionen, hob Trochimczuk hervor. Sie können sich bestehenden Ökosystemen anschließen und dort komplementäre Produkte oder Dienstleistungen anbieten.​ Eine Reihe von Versicherern wird selber aktiv und nimmt die Rolle des Gestalters eines Ökosystems ein.​ „Dies erfordert den Aufbau einer digitalen Plattform und die Anbindung von Partnern“, sagte Trochimczuk und wies auf die damit verbundenen Herausforderungen hin. „Dieser Weg ist kostspielig und riskant.“ ​Als dritte Option können Versicherer beide Ansätze kombinieren.​ Dabei setzen sie Ökosysteme als Teil ihres Vertriebsnetzes ein und etablieren gleichzeitig eigene Subsysteme und Services. ​„Ziel ist es, mehr zu sein als ein passiver Anbieter von Finanzinfrastruktur“, sagte Trochimczuk.

Nach Einschätzung von Dr. Alexander Bernert, Head of Innovation & Market Management der Zurich Deutschland, muss es zu einer grundlegenden Strategie- und Mentalitätsänderung im Vertrieb kommen. „Die Versicherer stellen beim Thema Ökosysteme viel zu häufig ihre Probleme in den Vordergrund, nicht diejenigen des Kunden“, sagte Bernert in Köln. „Die Leute kaufen doch eher etwas Immaterielles, eine Lösung. Nicht den Bohrer, sondern das Loch in der Wand.“ Laut Bernert müsste das Ziel sein, weg vom Push-Vertrieb und hin zum Pull-Vertrieb zu kommen.

Nach Einschätzung von Dr. Witold Jaworski, CIO International der Ergo Technology & Services Management AG, sind bei dem Einstieg in Ökosysteme oder dem Aufbau von eigenen Service-Plattformen die technischen Herausforderungen weniger bedeutend als die vertrieblichen. „Technologie ist das geringere Problem. Fraglich ist allerdings, ob Versicherer wissen, was der Kunde will“, sagte Jaworski. Seiner Einschätzung nach liegt das Problem in dem geringen Kundenengagement.  „Verstehen die Versicherer überhaupt den Kunden? Die Marktperspektive müssen sie noch lernen.“

Internationale Expansion von Sollers Consulting

Zweites Thema der Veranstaltung waren neue Entwicklungen bei Sollers Consulting. Die Deutschland-Tochter des im Jahr 2000 gegründeten Unternehmens unterstützt derzeit sieben Versicherer hierzulande. „Deutschland ist einer der wichtigsten Märkte für Sollers Consulting“, berichetete Trochimczuk. Das Unternehmen sei aber auch international gewachsen. Größter Treiber ist der große Nachholbedarf der Versicherungsbranche in der Digitalisierung. ​Neben Großbritannien, wo Sollers Consulting bereits elf Versicherer unterstützt, erschließt sich die Business- und IT-Beratung eine Reihe weiterer Märkte. In diesem Jahr hat Sollers Consulting Projekte mit zwei Versicherern aus Frankreich begonnen. „Wir bauen unser französischsprachiges Team aus“, berichtete Trochimczuk.

​In Japan unterstützen Sollers-Berater das erste agile Projekt bei einem Versicherer überhaupt. „Wir haben schon sieben japanische Kollegen und das Team vor Ort wächst“, sagte Trochimczuk. Im nächsten Schritt bereitet Sollers Consulting seine Expansion in die USA vor, wo Sollers-Berater bereits zwei Versicherer bei der Digitalisierung begleiten. „In diesem Jahr haben wir begonnen, den amerikanischen Markt zu entwickeln“, berichtete Trochimczuk.